«Ein Tier darf ein Geschenk sein, aber niemals eine Überraschung»

Ob an Weihnachten, zum Geburtstag oder zu Ostern: Gibt es ein schöneres Geschenk als einen knuffigen jungen Hund oder ein flauschiges Kaninchen? Wohl kaum. Aber ob es wirklich eine gute Idee ist, ein Tier zu verschenken?
Züriost hat mit – mehr und weniger empörten – Tierheim-Mitarbeitern gesprochen.


ZüriOst - Das Video zum Bericht

Das Problem: Der Beschenkte ist oft nicht auf die Verantwortung, die ein solches Tier mit sich bringt, vorbereitet. Wohin mit dem Kaninchen, wenn man in die Ferien möchte? Wurde der Vermieter vorgängig gefragt, ob Tiere gehalten werden dürfen? Ist man sich bewusst, dass ein Wohnungswechsel mit Katze schwierig werden kann? Weiss der Beschenkte um die viele Zeit, die ein heranwachsender Hund einfordert? Kurzum: Die Beschenkten stehen plötzlich vor Problemen, auf die sie sich nicht vorbereiten konnten. Die Halter sind überfordert und die Freude wandelt sich schnell in Frust – das vernachlässigte Geschenk landet wieder im Tierheim oder wird gar ausgesetzt.

 

Ist doch klar, oder?!

Züriost hat mit vier Tierheimen und -pensionen gesprochen. Nur in Ausnahmefällen werden Tiere abgegeben, die als Geschenk gedacht sind. Wenig überraschend: Durch viele Berichte über ausgesetzte Tiere nach Weihnachten müsste mittlerweile doch jeder wissen, dass es keine gute Idee ist, ein Tier zu verschenken. «Das sollte man denken», sagt Franziska Tribelhorn, Leiterin des Tierheims Tribisin Bubikon, «tatsächlich wird es aber jedes Jahr schlimmer.» Und das mache sie richtig wütend.

 

Mitleidskauf

Es liege wohl an der wenig rationalen Beziehung, die man heute zu Tieren habe, meint Tribelhorn. «Mitleid mit dem Tier und falsche Vorstellungen führen schnell zu einer unüberlegten Anschaffung.» Spätestens vor den Frühlingsferien wird den neuen Besitzern der Aufwand oft zu viel. «Wir hatten schon öfters Kisten mit Kleintieren vor der Tür stehen.» Die Züchterin hat gerade aktuell wieder junge Hunde abzugeben. «Nach mehreren Jahren Erfahrung merkt man, ob die Interessenten sich das gut überlegt haben und es kein Spontankauf ist.» Ein grundsätzliches Verkaufsverbot zur Weihnachtszeit sei für sie deshalb kein Thema.

 

Nächster Tierhandel um die Ecke

Auch Athina Löhrer vom Tierheim Strubeli in Hegnau findet einen Verkaufsstopp im Dezember übertrieben: «Wir können relativ schnell und gut einschätzen, ob jemand ernsthaft am Tier interessiert ist.» Was nicht bedeutet, dass man im Strubeli nicht auch mit Schnellkäufen kämpft: «Wir haben es auch schon erlebt, dass vor allem Kaninchen und Nagetiere kurz nach Weihnachten wieder vor unserer Tür standen.» Das sei sehr tragisch, findet Löhrer, doch kaum zu verhindern: «Wir sagen in jedem Fall nein, aber der nächste Tierhandel ist nahe und ein neues Haustier schnell besorgt.»

 

Nächster Tierhandel um die Ecke

Auch Athina Löhrer vom Tierheim Strubeli in Hegnau findet einen Verkaufsstopp im Dezember übertrieben: «Wir können relativ schnell und gut einschätzen, ob jemand ernsthaft am Tier interessiert ist.» Was nicht bedeutet, dass man im Strubeli nicht auch mit Schnellkäufen kämpft: «Wir haben es auch schon erlebt, dass vor allem Kaninchen und Nagetiere kurz nach Weihnachten wieder vor unserer Tür standen.» Das sei sehr tragisch, findet Löhrer, doch kaum zu verhindern: «Wir sagen in jedem Fall nein, aber der nächste Tierhandel ist nahe und ein neues Haustier schnell besorgt.»

 

Das perfekte Familiendrama

Vor allem Kleintiere werden also schnell gekauft und dienen als Geschenk. Die Nachfrage in der Nagerstation in Obfelden bestätigt diesen Eindruck. «Es ist ungebrochen schlimm», sagt die Leiterin Ruth Morgenegg. Aufgeklärt seien eben nur die Menschen, die auch aufgeklärt werden wollen - und das seien noch viel zu wenige. «Aber ein Tier ist doch keine Sache, die man einfach wieder umtauschen kann!» Gerade vor kurzem habe ein Geschwisterpaar ihrer Mutter eine neue Katze schenken wollen. «Ich bestand darauf, dass die Mutter sich selbst damit einverstanden erklären müsse.» Die Mutter wurde also mitgebracht. «Das Familiendrama war perfekt! Weil sie nicht gefragt wurde, ob sie überhaupt eine neue Katze möchte, war die Mutter stinksauer und die Kinder natürlich frustriert.»

 

Macht der Preis den Unterschied?

Für das Tierheim Gossau gehört dieses Problem der Vergangenheit an. Weder hätten sie Kunden, die Tiere verschenken wollen, noch würden nach Neujahr vermehrt Tiere abgegeben, erklärt Beni Lazzarotto. «Wenn wir ein Tier abzugeben haben, wollen wir wissen, was der Käufer mit dem Tier vorhat.» Zudem würden bei ihnen Heimtiere nie gratis abgegeben und hätten einen angemessenen Preis. «Das hält einen Käufer auch von einem schnellen Geschenkekauf ab.»

 

Zukünftige Besitzer müssen bekannt und informiert sein

Gibt es denn gar keine Möglichkeit, jemandem ein Tier zu schenken? «Doch natürlich», so Franziska Tribelhorn, «es kommt auf die Umstände an.» Auch einer ihrer aktuellen Welpen wird verschenkt. «Die zukünftige Besitzerin hat bereits einen Hund von uns und sie war hier, um sich einen zweiten auszusuchen.» Nach dem Besuch habe der Ehemann angerufen. Er möchte seiner Frau den neuen Welpen schenken. Da es eine Überraschung sein soll, hat er ihr vorgegaukelt, dass er keinen zweiten Hund haben möchte. Zu Weihnachten bekommt die Ehefrau einen Gutschein, der Welpe selbst wird erst nach den Feiertagen im neuen Heim einziehen. Tribelhorn ist zufrieden: «Ich kenne die Besitzer gut und die Frau hat sich schon mit der Anschaffung eines zweiten Hundes auseinandergesetzt. So geht das in Ordnung.» Auch Morgenegg gibt keine Tiere an Unbekannte ab: «Die Person muss von dem Geschenk wissen und ich will sie kennenlernen.» Lazzarotto vom Tierheim Gossau und Löhrer vom Tierheim Strubeli sehen das ebenfalls ähnlich: «Ein Tier darf ein Geschenk sein, aber niemals eine Überraschung.»